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Die Ortsgeschichte

Wenn über die Geschichte eines Ortes berichtet werden soll stellt sich dem Berichterstatter gleich zum Anfang die Frage „was wird weggelassen was wird hervorgehoben?”.

Deshalb können die hier folgenden Ausführungen nur ein kleiner Abriss der Geschichte sein, gewissermaßen ein Schnelldurchgang.

Die geschriebene Geschichte unseres Heimatortes umfasst über 1000 Jahre und die ungeschriebene geht zurück bis zur Entstehung der Braunkohle vor Millonen von Jahren.

Abgesehen von der Braunkohle und dem in den Braunkohleflözen vorhandenen versteinertem Holz, lassen die im Jahre 1934 beim Autobahnbau gefundenen prähistorischen Fundstücke den Schluss zu, dass unser Ort schon vor 3000-4000 v. der Zeitenwende besiedelt war.
Diese Siedler sind zeitgeschichtlich der jüngeren Steinzeit und den sogenannten Schnurkeramikern zuzuordnen.
Auch bronzezeitliche Funde aus der Zeit um 1500 v. der Zeitenwende wurden auf der Gemarkung Osmünde beim o.g. Autobahnbau gefunden.
Römische Münzen mit den Bildnissen des Kaisers Trajan und des Feldherrn Antonicus Augustus Germanicus weisen auf Handelsbeziehungen der damaligen germanischen Bevölkerung mit dem römischen Reich hin.
Die Fundstücke aus dieser Zeit befinden sich heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.

Nach der Völkerwanderung wanderten in das Gebiet östlich der Saale slawische Stämme ein.
Osmünde ist sicherlich eine slawische (sorbische) Siedlung gewesen, denn der ursprüngliche Grundriss des Dorfes weist die für viele Dörfer der näheren Umgebung bestimmende Form eines slawischen Rundlings aus.
Diese Siedlung gehörte im 8.und 9. Jahrhundert zum Neleticigau, dem sorbischen Grenzland um Halle.
Durch eine Schenkungsurkunde Kaiser Otto I. vom 26.6.952 wurde Osmünde erstmalig schriftlich benannt.
Der Name unseres Ortes gab schon in der Vergangenheit viel Raum zur Spekulation. Da weder eine Küste, noch ein größeres Gewässer sich hier befinden, die auf eine Mündung hinweisen würden, muss der Ursprung des Namens im Slawischen gesucht werden.
Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung, dass „osmina” die Bedeutung von einem „Achtel” habe und Osmünde zu der Zeit der Schenkungsurkunde der Hauptort eines Achtelgaus war.
Dem Ort Osmünde waren administrativ 25 weitere Orte des Gaus zugeordnet.

So wurde die Namensbildung in der Schule gelehrt, die verschiedensten Chronisten wie z.B. Dreyhaupts oder Schulze Gallera ließen keinen Zweifel am slawischen Ursprung des Namens Osmünde.

Umfangreiche Forschungen durch Mitglieder des Heimatvereins und insbesondere die Arbeit des Professors für Onomastik, Herrn Jürgen Udolph, erbrachten neue Erkenntnisse aus welchen sprachlichen Wurzeln der Name Osmünde entstanden sein könnte und höchstwahrscheinlich auch ist.

Ohne auf die vielen Einzelheiten hier eingehen zu können ist nach aktuellem wissenschaftlichem Stand zu sagen, dass der Ursprung des Namens in der altgermanischen Zeit gelegen hat und dass unser Ort seit mindestens 2500 Jahren besiedelt ist, jedenfalls so, dass sich der Namensursprung über diesen gesamten Zeitraum erhalten hat.

Die Namensforscher sind nach jetzigem Erkenntnisstand sicher, dass sich im Namen Osmünde das altgermanische Wort für Sandberg oder Sandhügel wiederfindet.

Einzelheiten zur Namensdeutung und Geschichte sind unter den Links "Feurio Kabelsketal", "Der Osmünder Code" und "via-Kabelsketal" zu finden.

Das älteste Gebäude des Ortes ist die Kirche, dem heiligen Petrus geweiht. In ihr sind romanischer, gotischer und barocker Baustil vereint.
Man geht davon aus, dass in der ersten Hälfte des 12.Jahrhunderts mit dem Bau der steinernen Kirche begonnen wurde.
Da Osmünde in den östlichen Verteidigungsring Halles einbezogen war, ist ein Vorgängerbau höchstwahrscheinlich.
Der Kirche zugeordnet sind bis heute fünf weitere Dörfer, die auch in vergangenen Zeiten keine eigene Kirche und Friedhof hatten.

Ein wundertätiges Marienbild in der Kirche Osmünde, dem zu Ehren am 2. Sonntag nach Trinitatis große Wallfahrten veranstaltet wurden und mit denen ein reger Ablasshandel verbunden war, hob die Stellung der Kirche und des Ortes Osmünde, welcher zu historischer Zeit am Schnittpunkt der Salzstraße und der alten Heerstraße lag.

Nach der Reformation (1540) wurde aus der Wallfahrt ein Volksfest, das sogenannte „Appelsfest”.

Um 1600 war Osmünde der drittgrößte Ort im Saalkreis.

Der 30-jährige Krieg bracht unserem Ort großes Leid und Zerstörung. Die Einwohnerzahl nahm erst um das Jahr 1750 wieder zu.

Auch im 7-jährigen Krieg hatten Ort und Bevölkerung unter direkter Kriegseinwirkung zu leiden.
Zur Zeit Napoleons gehörte Osmünde zum Kanton Dieskau und wurde mit Kriegskontributionen in Höhe von 5475 1/2 Talern belegt.
Vom Blutzoll, den die Einwohner der Orte des Kirchspiels Osmünde in den Kriegen des 19. und 20. Jahrhundert geleistet haben, künden die Gefallenentafel im Vorraum der Kirche und das Kriegerdenkmal auf dem Osmünder Friedhof.

Mit Eröffnung der Bahnstrecke Halle – Leipzig im Jahr 1840 begann das industrielle Zeitalter in unserer unmittelbaren Umgebung.
1851 wurde die erste Zuckerfabrik an der Straße von Osmünde nach Gröbers gegründet und 13 Jahre später die Zuckerfabrik Schwoitsch.
Parallel dazu wurde unter Tage Braunkohlegruben erschlossen, die die Energie für die Zuckerfabriken lieferten.
Insbesondere ist in diesem Zusammenhang Landesökonomierat Ferdinand Knauer (1824-1889) zu erwähnen, der mit der Züchtung und weltweitem Vertrieb des Rübensamens der Imperialzuckerrübe einen wichtigen Meilenstein für die Rübenzuckerindustrie in Deutschland und der Welt legte.

Zuckerproduktion und Braunkohlenbergbau wurden in der Zeit der Weltwirtschaftskrise eingestellt.

In den sozialen Auseinandersetzungen zum Anfang des 20.Jahrhundert (Kapp-Pusch, Mitteldeutscher Aufstand, Widerstand gegen das NS-Regime) waren die Einwohner unseres Ortes sowohl mittelbar als unmittelbar beteiligt.

Die Entwicklung Osmündes nach 1945 verlief ähnlich wie in anderen Orten unseres näheren Heimatgebietes.
Kriegsende durch amerikanische Streitkräfte, Besatzungsmachttausch mit sowjetischen Streitkräften im Sommer 1945, Aufnahme von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten, Bodenreform, Kollektivierung, Auswirkung der Teilung bis zur Wiedervereinigung 1990.

Aus den Orten des Kirchspiels Osmünde bildete sich die Gemeinde Gröbers und seit dem 01.01.2004 ist Osmünde Bestandteil der Einheitsgemeinde Kabelsketal.